Die Dauerausstellung
auf Schloss Rochlitz

FETT, EINÄUGIG, REVOLUTIONÄR - Drei Wettiner für tausend Geschichten.

Wo man Geschichte spüren kann...

Drei Wettiner haben die Geschichte von Schloss Rochlitz besonders geprägt. Deo von Groitzsch, genannt »der Fette« ließ hier undurchdringliche Wälder roden und trieb die Besiedlung des Rochlitzer Landes voran. Markgraf Wilhelm »der Einäugige« veranlasste den Umbau der trutzigen Burg in ein Wohnschloss. Die aufmüpfige Herzogin Elisabeth von Sachsen machte sich um die Einführung der Reformation verdient. Jede Generation von Schlossherren hat Rochlitz ihren Stempel aufgedrückt. Auf Erkundungstour durch die altehrwürdigen Mauern gibt es zahlreiche Kleinode zu entdecken: die imposanten Kreuzgewölbe der Kapelle, das Fürstenhaus, die Schwarzküche oder die gewaltigen Türme, in denen sich Verliese und Folterkammer verbergen.

Das restaurierte Fürstenhaus schmücken beeindruckende herrschaftliche Wohnräume. Auch ungewöhnlichen Wandschmuck gibt es zu entdecken: Einst kratzen junge Prinzen zahlreiche Putzritz-Zeichnungen in die Wände. Eine gelungene Mischung aus unverfälschter mittelalterlicher Schlossanlage und moderner Ausstellung macht den Besuch zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Virtual Reality in der Hauptmannsstube

Ein Rundgang durch die Jahrhunderte

Seit Saisonbeginn 2017 erleben Sie die historischen Bauzustände der Hauptmannsstube mit einer sogenannten VR (Virtual Reality)-Brille ganz neu. In die VR-Brille ist eine App integriert. Sie zeigt die Hauptmannstube als virtuelle 3D-Animationen. Wer die Brille aufsetzt, findet sich in einer virtuellen Animation des Raumes wieder. Sie navigieren interaktiv mit den Augen durch die Animation und können so den Raum in verschiedenen historischen Epochen „besuchen“ und sich darin umschauen. Navigieren Sie sich beispielsweise in den mittelalterlichen Bauzustand, begrüßt Sie das knackende Feuer eines wiederhergestellten Kamins. In der Variante des gotischen Raumes faszinieren detailliert bemalte Wände. Bemerkenswert in der Animation des Raumes zur Renaissance-Zeit sind vor allem die eindrucksvoll gestalteten Decken.

In der Hauptmannsstube zeugen Fragmente von der bewegten 800-jährigen Baugeschichte des Schlosses. So gab es im 12. Jahrhundert einen großen Kamin, der heute nur noch bruchstückhaft in der Wand sichtbar ist. Weitere Reste aus der Zeit der Gotik, Renaissance, des Klassizismus und der vergangenen 100 Jahre sind ebenfalls noch erkennbar. Sie sind jedoch nicht mehr vollständig.

Dem Besucher werden komplexe Geschichten anschaulich und einfach nachvollziehbar vermittelt. Er kann sich mit einer VR-Brille in historische Bauzustände hineinversetzen. Durchschreiten Sie zum Beispiel einen heute nur noch als Fragment sichtbaren gotischen Torbogen oder bewundern Sie das prasselnde Feuer in einem längst überbauten romanischen Kamin.

Narrenhände beschmieren Tisch und Wände

Was Kritzeleien der Wettiner-Prinzen mit Schule zu tun hatten...

Auch leine Prinzen nutzten unbeobachtete Momente offenbar zum Unfug treiben. So wie Kinder heute Tische und Bänke bekritzeln. Vermutlich höchstpersönlich verewigten sich Friedrich der Weise und Johann der Beständige oder Ernst und Albrecht von Sachsen an den Wänden der heutigen Amtsstube. Über 500 Jahre blieben die »Graffiti« unter einer Putzschicht verborgen. Restaurierungs-Arbeiten entdeckte man sie sie zufällig. Die halbstarken Prinzen kassierten wohl saftige Strafen für ihre Kritzeleien. Heute sind sie eine kleine Sensation. Die vielen Motive aus dem Alltags- und Militärleben, Häuser, Türmchen, Ornamente und Texte bieten spannende Einblicke in das damalige Leben. Erklärter Liebling der Schlossbesucher ist der kleine nackte König.

Elisabeth von Rochlitz

Die unbekannte Heldin der Reformation

Eine der beeindruckendsten und einflussreichsten Frauen der Reformationszeit hatte zwischen 1537 und 1547 hier ihren Witwensitz: Elisabeth von Rochlitz. Sie widersetzte sich dem heftigen Widerstand ihres Schwiegervaters Herzog Georg von Sachsen und setzte in ihrem Hoheitsgebiet die Reformation durch. Auf Augenhöhe verhandelte Sie mit dem evangelischen Reichsfürsten Landgraf Philipp von Hessen – ihrem Bruder – und Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen – ihrem Cousin. Als einzige Frau im Schmalkaldischen Bund und als rastlose Vermittlerin wurde sie eine tragende Säule der Fürstenreformation in Sachsen.

Die zu weiten Teilen erhaltenen geheimen Briefe vermitteln ein Bild dieser starken Frau, die in der Geschichte kaum Beachtung fand. In unserer Ausstellung erhalten Sie Einblicke in die Geschehnisse rund um Elisabeth von Rochlitz und die Rolle der Frauen in der Reformation.